Beiträge zur öffentlichen Debatte
2001


Auf dieser Seite finden sich Zeitungsartikel, Kommentare, Leserbriefe und dergleichen, in denen ich meine Sicht der Reform bekannt gemacht und zu anderen Ansichten, meist in Form von Leserbriefen, Stellung genommen habe. Die Beiträge auf dieser Seite stammen aus dem laufenden und dem vorigen Jahr. Beiträge aus früheren Jahren finden sich auf den LINKS angegebenen Seiten.

Leserbrief an die F.A:Z., 2001-Aug-08 – nicht veröffentlicht
Leserbrief an die DBZ (Deutsche Briefmarken-Zeitung), 2001-Jul-09 – nicht veröffentlicht
Leserbrief in der F.A.Z., 2001-Feb-17



Leserbrief an die “Frankfurter Allgemeine Zeitung”, 2001-Aug-08 – nicht veröffentlicht

Wie schon der erste Artikel zur Feier des Jahrestages der Rückumstellung der F.A.Z. auf die alte Rechtschreibung ist auch die zweite Darstellung von Heike Schmoll („Das Klassenziel nicht erreicht“, F.A.Z. vom 9. August 2001) von fehlerhaften Behauptungen durchsetzt. So sind von den sechs Behauptungen über Wortschreibungen im Rechtschreibduden fünf verkürzt oder falsch – wie schon die Eingangsbehauptung, die zugrunde gelegte „22. Auflage des Duden vom August 2000“ sei in diesem Jahr (2001) erschienen (in einem Telefonat erklärte der Projektleiter im Dudenverlag, Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, dies für eine Erfindung).

Im Einzelnen: Entgegen Schmoll ist die Neuschreibung „Kolofonium“ nicht gestrichen, sondern erscheint neben dem weiterhin gültigen „Kolophonium“. Dass neben dem neuen „aufwändig“ auf das alte, weiterhin gültige „aufwendig“ verwiesen wird, ist keine Neuerung der 22. Auflage, sondern wurde genau so in der 21. Auflage, der ersten Reformauflage (1996), gehandhabt. Es wird dazu auch in keiner der beiden Auflage eine Erklärung abgegeben, schon gar nicht die, die sich Frau Schmoll aus den Fingern gesogen haben muss: „Aufwendig leitet sich von aufwenden ab und nicht etwa von Aufwand.“

Auch die Behauptungen zu den im Duden verzeichneten Trennmöglichkeiten sind in erschreckendem Maße falsch: Wie 1996 ist auch im Duden 2000 das Wort „Abitur“ auf drei Weisen trennbar: „A-bitur“, „Ab-itur“, „Abi-tur“ und nicht nur, wie Schmoll schreibt, auf die letzte. So auch bei „Diaspora“ („Di-aspora“, „Dia-spora“, „Dias-pora“) – so töricht, die Trennung der Gebildeten, „Dia-spora“, zu verbieten, ist weder der Duden noch die Rechtschreibreformkommission. Bei der Trennung „Sy-nergie“, die der Duden zulässt (aber nicht vorschreibt, weiterhin ist selbstverständlich „Syn-ergie“ zulässig), bezieht sich Frau Schmoll auf die Unzahl von Benutzern, die „eine Ahnung von Griechisch“ haben und denen eine solche Trennung „zutiefst widerstreben“ muss. Das mag so sein, doch wo bleibt ihr Protest gegen die Trennung „Drama-turg“, die vor und nach der Reform die einzig zulässige sein soll?

Von allen herangezogenen Duden-Beispielen ist am Ende nur die Aussage bezüglich „Leid tun“ korrekt. Diese „grammatisch falsche“ Schreibung sieht der Duden nach der Maßgabe der Reformkommission tatsächlich als allein richtige vor. Nichts spricht dagegen, sie anlässlich einer Revision der derzeit geltenden Regelung wieder zurückzunehmen.

Professor Dr. Wilfried Kürschner,
Vechta



Leserbrief an die DBZ (Deutsche Briefmarken-Zeitung), 2001-Jul-09 – nicht veröffentlicht

Zum Artikel »Erster Bund-Block mit neuer Rechtschreibung« (DBZ 14/2001, S. 4)

Es ist der DBZ unbenommen, bei der alten Rechschreibung zu bleiben. Die neue gilt nämlich nur in Schulen und Ämtern, und zwar nicht, wie Werner Rittmeier behauptet, aufgrund eines »Willküraktes«, sondern aufgrund der in einem Rechtsstaat dafür vorgesehenen (und vom Bundesverfassungsgericht bestätigten) Verfahren. Wer in der Neuregelung ein »politisch zu verantwortendes Chaoswerk« sehen möchte, sollte sich durch Sachverstand ausweisen. Dies ist in dem Artikel jedoch leider nicht der Fall. Die angebliche Regel »doppel-s [richtig: Doppel-S] nach langen Vokalen und Diphtong [richtig: Diphthong]« existiert nicht, vielmehr wird in diesem Fall wie in der alten Rechtschreibung ß geschrieben. Daher sind alle Fußballmarken mit ß korrekt nach alter und neuer Rechtschreibung. Auch die Preußen-Marke stellt nicht den Anfang der neuen Rechtschreibung dar: PREUSSEN wird dort als Ganzes in Großbuchstaben geschrieben und in dieser Form war und ist ß in SS umzuwandeln.

 Professor Dr. Wilfried Kürschner, Vechta



Leserbrief in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung”, 2001-Feb-17, S. 42

Früher nannte man es Kauderwelsch

In ihrem Bericht "Beirat für deutsche Rechtschreibung bündelt Erfahrungen mit neuen Regeln" (F.A.Z. vom 7. Februar) hebt Heike Schmoll hervor, daß die F.A.Z. "zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt ist". Doch dies gibt nur die halbe Wahrheit wieder. Denn die Zeitung hat seit dem 9. Januar auch die aktuelle Rechtschreibung wiederaufgenommen, wie sie seit 1996 in den Schulen gelehrt und gelernt, in der Staatsverwaltung geübt, in der großen Mehrzahl der Print- und Bildmedien praktiziert und von einer immer größer werdenden Zahl von erwachsenen Schreibern verwendet wird.

Die neue Schreibung findet sich im FAZ.NET (www.faz.net), dem Internetauftritt der Zeitung mit seinen Online-Informationen und -Diensten. Lediglich die gedruckte Ausgabe erscheint sowohl auf Papier wie in der ins Netz gestellten Fassung noch in der alten Rechtschreibung des Duden 1991. Begründet wird die orthographische Rück-Rückumstellung von der FAZ.NET-Chefredaktion mit der Feststellung, daß sich die Haltung der Druckausgabe, die alte Orthographie zu verwenden, "in der komplexen, vernetzten und sekundenschnellen Welt des Internets nicht durchsetzen" lasse. Die FAZ.NET-Redaktion stützt sich "in ihren Angeboten zum Beispiel auf eine Vielzahl von umfassenden externen Datenbanken, in denen die neue Rechtschreibung angewendet wird" (so in der "Intern"-Mitteilung "FAZ.NET in alter und neuer Rechtschreibung" vom 7. Januar).

Bei der Entscheidung der FAZ.NET-Redaktion wird wohl auch eine Rolle gespielt haben, daß "die Inhalte der Redaktion sich an die Zielgruppe der neunzehn- bis neununddreißigjährigen, gut ausgebildeten Nutzer wenden, denen ein optimaler Service geboten werden soll", wie im "Redaktionellen Kodex - Leitlinien der Berichterstattung" unter Punkt IV ausgeführt wird. Man ist also offenbar der Ansicht, daß diese Zielgruppe mit der neuen Rechtschreibung vertraut ist, daß diese für sie die moderne Schreibung ist, während die alte Orthographie die altmodische Schreibung gewisser älterer oder umstellungsunwilliger Menschen darstellt. Wie die Druckausgabe unter dieser Voraussetzung noch lange bei der alten Schreibung bleiben kann, wenn ihr die jungen, älter werdenden Leser davonlaufen, ist eine gar nicht allzu spannende Frage.

Ob es aber nötig war, zugleich mit der Rückkehr zur neuen Orthographie die Anglisierung, gegen deren Übertreibung die F.A.Z. doch bisher immer wacker angeschrieben hat, voranzutreiben, ist mehr als fraglich. Man lese dazu die Aussage, die auf den oben aus der "Intern"-Mitteilung zitierten Satz folgt: "Texte im schnellen Nachrichtenbereich Uptoday sowie in den Servicekanälen Investor, Book, Travel, Active und My FAZ.NET sind deshalb nach der neuen Rechtschreibung geschrieben, wie die Nachrichtenagenturen sie definiert haben." Früher hätte man dies Kauderwelsch genannt, heute erscheinen die schicken englischen Begriffe auf den Knöpfen, sorry: den Buttons, von "The first smart site", wie sich FAZ.NET auf einem der eingeblendeten Banner selbst anpreist.

Professor Dr. Wilfried Kürschner, Vechta
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.02.2001, Nr. 41 / Seite 49